Gartenreportage: Der verschüttete Baustellen-Garten in Eutin

Wer kennt den Kinderbuch-Klassiker „Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett aus dem Jahr 1911?
Als ich das verwüstete Areal an einer der Eutiner Hauptstraße das erste Mal betrat, musste ich direkt daran denken.Nur unter umgedrehten Vorzeichen: Dieser Garten ist nicht versteckt, sondern liegt als offene Brache direkt vor den Augen aller. Und dennoch scheint er unsichtbar, weil die meisten Blumen zwischen hoch wuchernden Pionierpflanzen versteckt sind.

Hier standen mehrere niedrige Häuser, die von außen wie Landarbeiter-Katen wirkten. Sie wurden abgerissen, der gesamte Bauschutt und große Teiles der Gärten abtransportiert, dann mit Schotter aufgefüllt und planiert. Letzteres erzählte eine Dame, die in zweiter Reihe wohnt. Ich klingelte bei ihr, um zu fragen, ob es jemanden stören würde, wenn ich eine Reihe Fotos aufnehmen würde. Gar nicht, versicherte sie mir, und forderte mich außerdem auf, doch gleich Pflanzen auszubuddeln. Das muss man Marie, der größten Buddlerin und Pflanzenretterin überhaupt, garantiert nur einmal sagen!

So stakste ich durch das Gelände, zwischen Artemisia, Disteln, roter Melde und diversen anderen Pflanzen hindurch, und entdeckte wahre Schätze:
Taglilien, Rosen, Sommerflieder, Rittersporn, Löwenmäulchen und sogar Engelstrompeten. Auch Schlafmohn fand ich – vielleicht sollte ich, davon inspiriert, bei uns einen Gartenbereich voller Giftpflanzen anlegen?!

Mich erinnerte dieser sandige Platz an Bibelgeschichten wie den versteckten Schatz im Acker oder andere Texte, wo etwas offensichtlich Wertvolles deutlich sichtbar für alle in der Öffentlichkeit liegt – und dennoch übersehen wird.

Zusätzlich konnte ich mit dem Abendlicht spielen, sodass ich viele Fotos gegenlichtig aufnahm: Auch das erlebte ich als spannend.

Und wer sich für den Ausblick von der Straße interessiert: So sieht das Areal für Passant:innen und Autofahrer:innen aus:
Artemisia, wohin man schaut, und scheinbar sonst nichts Anderes.

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