Fröhlich und echt: Wellness-Tag der lustigen Art

Der erste Wellness-Tag für Frauen war ein großer Spaß:
Die Fußbäder mit Badesalz und Lavendel verwöhnten ganz hervorragend und die Tuchmasken sorgten für eine Menge Lacher -beim Auspacken wie auch beim Tragen. Andächtige Stille schenkten die geführten Entspannungsübungen und dank selbstgemachter Lavendelsäckchen konnten die Gäste einen Beitrag zu gutem Schlaf mit nach Hause nehmen.
Dabei störten die Bereiche, die eindeutig noch nach Baustelle aussahen, keinen großen Geist (wie Karlsson vom Dach sagen würde): Um Sandhaufen kann man drum herum gehen, und der Garten begeisterte trotz seines Entwicklungszustands. Eine Besucherin fühlte sich so wohl, dass sie direkt auf der Sonnenliege unter einer Decke vom Wind in den Holunderbüschen in den Schlaf gesungen wurde.
Kuscheldecken waren generell das Mittel der Wahl, um die aufziehenden dunklen Wolken auf Abstand zu halten: Einfach darin einwickeln, fünf Tropfen aushalten und die Regenfront zog davon. Ganze drei Mal fing es an zu regnen, wir wurden alle wuschig, und kaum packten wir Sitzkissen und Decken weg, drehten die düsteren Wolken ab.

Überhaupt ist das Schöne an Improvisation, dass es eben nicht so ernst und professionell abläuft wie in einem teuren Spa: Niemand musste elegant und solvent aussehen, niemand einen makellosen Körper vorzeigen oder exakt wissen, welcher Programmpunkt wie genau abzulaufen hat.

Klar könnte ich warten, bis das Haus saniert ist, das Gästebad makellos renoviert wurde und der Kursraum vollständig eingerichtet.
Könnte ich.
Ebenso gut kann ich sagen „Das Leben ist JETZT und deshalb genießen wir es JETZT statt später.“
Dann ist das Ganze nicht beeindruckend und elegant, dafür familiär und lustig und einfach authentisch.

Als ich noch in einer Senioren-Residenz gearbeitet habe, kam ich manchmal an der Wohnungstür eines Herren vorbei, der dort den folgenden Spruch aufgehängt hatte:
„Tu es jetzt. Sonst wird aus später nie.“
Recht hat er.

Wie immer war es schön, dass verschiedene Generationen zusammen kamen und zu erleben, dass man sich nicht vorher kennen muss, um eine erfüllende gemeinsame Zeit zu haben. Oder miteinander lachen zu können.

Mich persönlich freut es, dass tatsächlich drei Personen einfach den Raum und die Atmosphäre im Garten genossen haben:
Eine zum Lesen, eine zum Schlafen und eine zum Tagebuch schreiben.
Schon oft habe ich gedacht, ob mal wieder das „Liegen an der frischen Luft“ in Mode kommt, dass es vor hundert Jahren in Sanatorien viel gab.
Gut, damals hatte man keinen Plan, was man mit Lungenkranken sonst anstellen sollte.
Heute dagegen wissen wir, wie gut es tut, einfach ganz viel ungestörten Platz um sich zu haben. Nichts tun zu dürfen.
Unbeobachtet loslassen zu dürfen, statt ständig (scheinbar) alles unter Kontrolle zu haben und dabei auch noch gut auszusehen und alle andere Kriterien, die die Welt an Frauen stellt, lässig zu erfüllen.

Also, wer einfach mal über die geschwungene Holsteiner Landschaft schauen, nichts tun, Getränke und Snacks serviert bekommen möchte:
Einfach mal vorbeikommen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert